Der jugoslawische Staat entstand erst nach dem Ersten Weltkrieg aus den vorher unabhängigen Königreichen Serbien und Montenegro und südslawisch besiedelten Teilen Österreich-Ungarns (k.u.k. Monarchie). Auf ungarischem Territorium der Monarchie (sog. Transleithanien, da östlich des Flusses Leitha) zu dem auch ein großer Teil des Staatsgebiets von Ex-Jugoslawien gehörte) arbeiteten um 1890 ca. 22 Fabriken, die Streichhölzer herstellten (u.a. auch Unio in Budafok, Vesuvius in Györ, Elsö in Temesvar, Szeged (alle ab der 1. Dekade des 20. Jh. zum österreichisch-ungarischen "SOLO" Konzern gehörig), auch die Firma von Emanuel Reisner in Gyula (von 1886-1904) und die von Ádám Reisner in Osijek (von 1856-1908).

Die Zündholzfabrik in Osijek (Essegg, Essek, Eszék, Osiek, Mursa) ist wohl die älteste auf dem ehemaligen jugoslawischen Staatsgebiet. Sie wurde 1856 von Emmerich (Mirko) Reisner und Josip Fösmayer gegründet. Bis 1885 firmierte die Fabrik auch unter M. Reisner. Produkte aus dieser Zeit wie Schachteln oder Streichhölzer sind mir leider nicht bekannt. Nach 1885 übernahm Ádám Reisner, Mirkos Sohn, die Firma. Àdám führte die Fabrik eigenständig bis 1908. 1909 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt ("DRAVA" ZÜNDWAARENFABRIK ACTIEN-GESELLSCHAFT"), zum ersten Mal taucht der Name "DRAVA" als Markenzeichen auf. danach wurde sie bis ca. 1919/1920 zur "DRAVA" Aktiengesellschaft unter dem Dach des österreich-ungarischen "SOLO" Konzerns. An den unterschiedlichen Ortsbezeichnungen für Osijek erkennt man auch den multinationalen Charakter der Gegend, hier wohnten Ungarn, Deutsche, Kroaten und Serben zusammen. Die Bezeichnung Mursa deutet auf eine römische Siedlung am Limes Pannonicus. So vielfältig die Bevölkerung der Gegend, so abwechslungsreich sind die Texte der Streichholzetiketten in ungarisch, deutsch, serbo-kroatisch etc. Unten eine Auswahl aus der Zeit bis ca. 1914.


Interessant ist bei einigen dieser Etiketten auch, dass die Beschriftung, neben dem Herstellungsort, in schwedisch erfolgte. Logisch, da Schweden und das schwedische Zündholz für die Ära der Sicherheits-zündhölzer, ohne Schwefel und Phosphor, stehen. Die Sicherheits-Zündhölzer sind demzufolge "Säkerhets-Tändstickor" und die Streichholzfabrik die "Tändstickfabrik". Entsprechende Etiketten mit Aufschriften in schwedisch findet man bei allen Fabriken.


Eine weitere Fabrikation für Streichhölzer siedelte sich um die vorletzte Jahrhundertwende im Örtchen Dolac nad Lasvi nahe Travnik in Bosnien an. Infolge der Entscheidungen des Berliner Kongresses von 1878 kamen die ehemals osmanischen Gebiete Bosniens und der Herzegowina unter die Verwaltung Österreich-Ungarns. Später, 1908, wurde Bosnien-Herzegowina von der k.u.k. Monarchie formal annektiert. Die Fabrik in Dolac zur Produktion von Streichhölzern wurde von vier Unternehmern aus Sarajevo um S.D. Alkalaj gegründet. Sie wurde 1901 im Handelsregister in Sarajevo unter dem Namen "Prva bosansko-hercegovačka tvornica šibica Alkalaj & comp." eingetragen (Erste Bosnisch-Herzegowinische Streichholzfabrik Aktiengesellschaft der Gesellschaft Alkalay & Co.) (auch bekannt als "Ideal Taendsticksfabrik Prima").

1903 beginnt die Fabrik mit der Produktion von Hölzchen und hölzernen Schachteln. Die Tagesproduktion lag im Bereich von 2-3 Kisten mit jeweils ca. 5000 Hölzchen. Diese Menge wurde in reiner Handarbeit in zehn Stunden Schichten gefertigt. In dieser Zeit beschäftigte die Fabrik ca. 60 Arbeiter. Im Jahr 1911 wurde ein Dampfkessel installiert, bis 1913 weitere Maschinen erworben und so die Produktion teilweise automatisiert. Durch diese Maßnahmen stieg der Ausstoß auf 10 Kisten pro Tag. Leider habe ich aus dieser Zeit keine Etiketten oder Schachteln in meiner Sammlung. Eine Kopie des "ADRIA" Etiketts verdanke ich Sammlerfreund Josef Andersch aus Wien.

Die Fabrik ist heute noch in Betrieb und damit nach einer ca. 10 jährigen, durch die Kriegshandlungen in Bosnien bedingten Auszeit in den 1990ern, einige der wenigen Produktionsstätten in Europa.

Eine weitere Fabrik auf ehemals jugoslawischem Territorium, die in der k.u.k. Monarchie Holzwaren produziert hat, begann vor dem ersten Weltkrieg mit der Fertigung von Streichhölzern. Sie befand sich in Vrbovsko, im Nordwesten des heutigen Kroatiens, gegründet und im Besitz der Brüder Kronfeld. Einträge im Register der Handels- und Gewerbekammer von Zengg (heute Senj in Kroatien) von 1912 bis 1915 zeigen die hier abgebildeten Etiketten. Sie firmierte unter "Drvorezbarske Tvornice Vrobovsko" (Unter-nehmung für Holzmanufaktur Waren). Viele der anfänglich verwendeten Etiketten tragen wieder schwedische Beschriftungen.


Neben den oben abgebildeten Etiketten sind auch eine Reihe von Ausgaben bekannt, die neben einer Mohnblüte bzw. einem Mohnfeld ungarische Aufschriften wie "Gazda-Gyujtó Elsörendü Gyártmány" tragen. Diese sind im Namen einer ungarischen Handels- und Exportfirma für den Landhandel vertrieben worden. Die ungarische Bezeichnung der Fabrik lautet "Vrbovskoi Gyufagyár R.T." (R.T. steht dabei für Aktiengesellschaft). Neben Normaletiketten sind hier auch Paketetiketten bekannt. Einige der hier vorgestellten Etiketten stammen aus der Sammlung des Sammlers Vladimír Kvasnička aus Brno/Tschechien. Die Fabrik in Vrbovsko bestand bis in das Jahr 1944, ist dann aber durch die Kriegseinwirkungen zerstört worden.


Ebenfalls auf späterem jugoslawischen Gebiet befand sich die Zündwarenfabrik in Maria-Rast/Untersteiermark, das heutige Ruše nahe Maribor in Slowenien. Dieser eigentlich zu Österreich gehörende Teil der k.u.k. Monarchie ging nach dem Ende des 1. Weltkriegs zunächst an den SHS-Staat, der später in das Königreich Jugoslawien überging. Die Fabrik wurde 1879 von J.B. Zabeo gegründet, 1887 von Winzenz Woschnagg übernommen. Die Fabrik wurde 1923 von der schwedischen S.T.A.B. gekauft und noch einige Jahre betrieben ehe sie wenige Jahre später geschlossen wurde.

Markenzeichen der Fabrik war der Leuchtturm. Neben Normalschachteln, von denen sich auch zwei Etiketten in meiner Sammlung befinden, wurden auch Runddosen gefertigt, wie die entsprechenden Etiketten beweisen.


Die letzte, die mir bekannte, vor dem ersten Weltkrieg auf ehemaligem jugoslawischen Territorium liegende Streichholzfabrik, war die in der Vojvodina bzw. in der Bačka beheimatete "Ujverbászi Gyufagyár R.T." in Ujverbasz (Neu-Werbass, Novi Vrbas), das heutige Vrbas in Serbien. Die Fabrik wurde 1909 gegründet und existierte noch in den 20er, vielleicht sogar in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, über eine Stilllegung bzw. Einstellung des Betriebs ist mir allerdings nichts bekannt. Die Etiketten vor dem ersten Weltkrieg sind von der Gewerbe- und Handelskammer in Szeged (Szegedin) registriert. Die Fabrik belieferte einen Markt, in dem deutsch, ungarisch, serbisch und ruthenisch gesprochen wurde, diese Sprachenvielfalt findet sich auch auf den Etiketten der Fabrik wieder.


Neben den oben vorgestellten Produkten der Fabriken auf dem späteren Territorium Jugoslawiens wurden natürlich auch eine Reihe von "Import"-Zündwaren vertrieben. Hierbei handelte es sich im Wesentlichen um Erzeugnisse von weiteren Zündholzfabriken auf dem Territorium der k.u.k. Monarchie (Böhmen, Mähren, Österreich). Dazu zählten Produktionsstandorte wie Schüttenhofen in Böhmen (heute Susice in der Tschechischen Republik und nach Schließung der Produktion 2008 bis heute Sitz der SOLO Handelsge-sellschaft) mit der Fabrik von Bernhard Fürth und Adalbert Scheinost (Produktion ab 1844), Linz in Oberösterreich (Produktion ab 1885) mit einer Zweigstelle der deutschen Firma "Union“ Vereinigte Zündholz- und Wichsefabriken (Augsburg), Besztercebánya in Oberungarn (heute Banská Bystrica in der Slowakei), Deutschlandsberg (Steiermark) mit der 1856 gegründeten Firma von Florian Pojatzi oder die 1909 gegründete Fabrik der Brüder Scheinost (später ein Betrieb der Helios AG) in Großheilendorf in Mähren (heute Postrelmov in der Tschechischen Republik ). Am Ende eines langwierigen inländischen Konzen-trationsprozess aber auch durch ausländischen Konkurrenzdruck entstand am 1. Januar 1903 mit der Gründung der „SOLO – Zündwaren- und Wichsefabriken AG“ eine Gesellschaft aus sechs ehemals unabhängigen Zündholzfabriken (Fürth, Scheinost, Union/Linz, Pojatzi, Krepesch in Graz und Lebherz in Görz) mit einem Stammkapital von ca. 5,3 Millionen Kronen. Der Produktionsausstoß lag bei ca. 80 Mrd. Streichhölzern jährlich. Im Laufe der Jahre verleibte sich die SOLO AG weitere Fabriken in der k.u.k. Monarchie ein. Einige Beispiele dieser "Import"-Ware sind unten zu sehen.

Diese Etiketten und auch das Rundumetikett (ARTB) stammen aus Schüttenhofen und Deutschlandsberg. Beweis dafür sind die damals gebräuchlichen Schutzmarken (Krokodil - Pojaktzi/Deutschlandsberg, Schlüssel - Fürth/Schüttenhofen). Die Zündhölzer waren für BiH bestimmt, das ab 1878 zur k.u.k. Monarchie gehörte, der Text lautet sinngemäß: "Erleuchtung (Licht im Dunkel) - Bildung und Kulturgesellschaft der Serben in Bosnien und Herzegowina"

Ein sehr ähnliches Motiv findet sich auf diesen beiden Etiketten, die die "Serbische Morgen-röte" (Srpska Zora) im Sinne von Bildung und Fortschritt illustrieren. Hergestellt wurden die Etiketten unter der Regie der SOLO AG Wien, das genaue Werk ist mir allerdings nicht bekannt.

Die oben abgebildeten Etiketten stammen aus der Fabrik der Brüder Scheinost in Großheilendorf (heute Postřelmov), die ab 1912 zur Helios AG gehörte, und waren für den Absatz in BiH bestimmt. Interessanterweise ist in Halbmond und Stern sowie der arabischen Beschriftung noch der bezug zu über 400 Jahren türkischer Herrschaft zu sehen. Die Inschrift ist ein Teil aus einem Liedtext von Aleksa Šantić, einem Dichter aus Bosnien und Herzegowina (geboren in Mostar am 27. Mai 1868).

Wie oben schon angemerkt, auch "Union" in Linz hat Zündhölzer in die südöstlichen Länder der Donaumonarchie geliefert. In meiner Sammlung befinden sich Einzel- und ARTB-Etiketten die für beste Paraffin- und Schwedenhölzer werben. Typisch für Etiketten aus Linz und dieser zeit ist der Krummsäbel als Schutzmarke.

Des weiteren wurden in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens, die vor 1918/19 zur k.u.k Monarchie gehörten, noch eine Reihe von Zündwaren und entsprechenden Erzeugnissen vertrieben, die für Handels-gesellschaften hergestellt wurden. Auch diese wurden ausnahmslos in den Werken der SOLO AG hergestellt.