Nach dem zweiten Weltkrieg und der Befreiung des Landes von der deutschen Besetzung sowie den kroatischen Ustascha-Faschisten, maßgeblich durch die Tito-Partisanen, wurde auch in den verbliebenen beiden Streichholzfabriken in Osijek und Dolac die Produktion wieder angefahren. Die Landesbezeichnung hieß zunächst in den Jahren 1944/1945 Demokratische Föderation Jugoslawien. Die in den 30er Jahren als Staatsmonopol gegründete Jugoslawische Zündholz Gesellschaft A.D. (Jugoslovensko Društvo Žižica A.D., A.D. steht für akcionarsko društvo, Aktiengesellschaft), die auch während der Besetzung Bestand hatte, war noch/wieder existent. Beweis dafür ist ein Etikett aus Osijek mit dem Aufdruck J.D.Z.A.D. Allerdings fehlt wie bei Vorkriegsetiketten üblich der Sitz der gesellschaft, d.h. Beograd. Andererseits ist die römische eins I. existent (wie auch bei den Vorkriegsetiketten). Interessanterweise ist die Beschriftung z.T. in lateinischen und kyrillischen Schriftzeichen ausgeführt. Das Logo könnte die Buchstaben JUDM vereinen und damit auf jugoslawisches Staatsmonopol hindeuten. 

Aus der Zeit vor der Gründung der Volksrepublik stammt wohl auch ein Etikett aus Dolac mit der Aufschrift "Drzavni Monopol Federalne Bosne i Hercegovine" (Staatliches Monopol der Föderation von Bosnien und der Herzegowina). Unklar ist aber, ob es vielleicht auch aus der Zeit der deutschen Besetzung bzw. der Zugehörigkeit des Territoriums von Bosnien-Herzegowina zum kroatischen Ustascha-Staat stammt? Darauf könnte auch die Währungsangabe in Dinar und Kuna hindeuten, obwohl Streichhölzer im besetzten Serbien einen Dinar und im NDH Kroatien, je nach Inhalt, 0,5 bis 1,50 Kuna kosteten? Möglich ist aber auch, dass wir es hier mit einem Paketetikett zu tun haben, in der Kriegszeit wurden aus Materialmangel Schachteln z.T. nicht mehr etikettiert sondern nur noch die Pakete mit einem Etikett oder Banderole versehen (siehe auch NDH). Hierzu würde auch die Preisangabe mit 20 Kuna z.B. für ein Paket mit 8 oder 10 Schachteln passen.

Noch 1945 (29. November) wurde die Föderative Volksrepublik Jugoslawien (FNRJ) ausgerufen, die bis 1963 Bestand hatte. Danach wurde der Staat in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ) umbe-nannt. Fortan war auf den Etiketten die Bezeichnung "Drzavni Monopol Federativne Narodne Republike Jugoslavije" (Staatliches Monopol der FNRJ) oder nur "Federativna Narodna Republika Jugoslavija", in kyrillisch oder in lateinisch, zu lesen. Auch hier könnte das Logo dieser ersten Etiketten mit JUDM bzw. auf den kyrillisch beschrifteten Ausgaben ЈУДМ auf ein staatliches Monopol hindeuten. Offensichtlich gab es bald auch einen Zusammenschluss der nach dem Krieg verbliebenen Produktionsstätten in Osijek und Dolac, zunächst konnte man auf den Etiketten von der "Industrija Žigica FNRJ " oder "Industrija Sibica FNRJ" (žigice (ЖИГИЦE) oder šibice (ЖИБИЦE) für Streichholz oder Zündholz bzw. kroatisch oder serbisch und dann noch in lateinischer oder kyrillischer Schreibweise) lesen.


Die Bezeichnung "Industrija Žigica FNRJ " bzw. "Industrija Sibica FNRJ" wurde dann auch unter Verwendung der beiden Logos der Fabriken in Osijek und Dolac beibehalten. Soweit ich weiß firmierten die beiden Fabriken ab ca. 1950 wieder unter ihrem alleinigen Namen, die Zeit des "Syndicats" war vorbei. 1950 wurde nämlich die "Tvornica Šibica Drava" zu Osijek gegründet.

Neben den oben abgebildeten Etiketten aus den 40er Jahren begann mit der Konsolidierung der Wirtschaft auch die Vielfalt bei den Etiketten anzusteigen. Neben kommunistischen Parolen auf Einzeletiketten aus den 50ern kamen auch zunehmend Etikettenserien heraus, grafisch anspruchsvoll gestaltet und drucktechnisch nahezu perfekt.

Wie oben schon gesagt, seit 1950 firmiert die Fabrik in Osijek unter "Tvornica Žigica Drava Osijek", die in Dolac unter "Tvornica Šibica Dolac". Daneben wurde ab 1950 auch der Export angekurbelt, es wurde in mehrere Dutzend Länder geliefert. Es wurde auch umfangreich mit Schachtelformaten experimentiert. Neben diversen Größen an Haushaltsschachteln, Buchzündern und größeren Schachteln für den Export wurden auch Zündholzdosen gefertigt. Letztere sind aber eine Ausnahme geblieben und deshalb eher selten.


In den 70ern wurde zunehmend begonnen Holzschachteln durch Pappschachteln zu ersetzen, die Etiketten wurden überflüssig. Ende der 80er war es dann mit den Etiketten auf Normalschachteln für immer vorbei. Jetzt wurde direkt auf die Pappschachtel gedruckt. An der Klebelasche aufgetrennt und "flach gelegt" bezeichnet man diese Pappen auch als skillets, ebenso fabrikneue Rohlinge, z.T. auch noch ohne Reibefläche. Inwiefern für den Export Rohlinge (bedruckte Pappen) oder Etiketten schon von den Auftraggebern geliefert wurden und in Osijek nur die Hölzer produziert und konfektioniert wurde, kann ich leider nicht auflösen. In den 80ern kam dann auch ein neues Logo auf den Markt, wiederum eine stilisierte Flamme; das Logo wurde bis zur Schließung der Fabrik 2003 beibehalten. 

In Dolac wurden nach 1950 auch diverse Serien an Etiketten aufgelegt, darunter sehr schöne Tierserien, Trachten etc. Im Export war man nicht so aktiv wie die Fabrik in Osijek. Mir liegen nur wenige Exemplare vor. Es wurden auch Buchzünder gefertigt. Ebenfalls Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wurde nur noch auf Pappschachteln gedruckt. Oft war aber die Qualität, vor allem die des Anstrichs, mangelhaft.

Die jüngste der jugoslawischen Zündholzfabriken, "PARAFINKA" in Rijeka, nahm Anfang der 70er Jahre ihren Betrieb auf. Die Produktionsstätte entstammt der 1821 gegründeten Papierfabrik in Rijeka (Tvornica Papira Rijeka).  Es wurden Pappschachteln nach italienischem Vorbild hergestellt, die Zündhölzer waren paraffi-nierte, zusammengedrehte Papierstäbe. Anfangs hatten die Schuber noch einen in der Schachtel befestigten Gummi-zug, er konnte so nicht unbeabsichtigt herausfallen und er klappte, wenn man daran zog, automatisch auf. An dem aufgeklappten Deckel war oft eine einfache Werbung platziert. Möglicherweise sind diese ersten in Jugoslawien verkauften Schachteln auch noch Importe aus Italien, zumindest ist Parafinka nicht als Produzent ersichtlich. Zunächst hatten die in Rijeka hergestellten Schachteln 100 Paraffinzünder, später nur noch 80 bzw. 60 Stück Inhalt, auch die Druckqualität wurde immer schlechter. Es sind auch selbstklebende Etiketten bekannt, diese wurden dann auf Vorder- und Rückseite der Schachteln verklebt. Jährlich wurden 55 Millionen Schachteln hergestellt, auch für den Export nach Holland, Tunesien oder Österreich. Unten noch abgebildet zwei Rohlinge von 1972.


Die in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und bis zum Zerfall der Föderation mit Beginn der Balkankriege herausgegebenen Etiketten und skillets gegliedert in Einzel-, Serien- und Exportausgaben für die drei Fabriken finden sich unten. Ich habe in einer Art Katalogsystem zusammengestellt, was sich an Etiketten und skillets in meiner Sammlung befindet bzw. Material inkludiert, von dem ich weiß, dass es existiert, es aber selbst (noch) nicht habe:

Jugoslawien "Drava" Osijek, Export Etiketten 1950-1990/91

Jugoslawien "Drava" Osijek, Einzel Etiketten 1945-1990/91

Jugoslawien "Drava" Osijek, Serien Etiketten 1945-1990/91

Jugoslawien "Drava" Osijek, Export skillets 1979-1990/91

Jugoslawien "Drava" Osijek, Einzel skillets 1945-1990/91

Jugoslawien "Drava" Osijek, Serien skillets 1945-1990/91

Jugoslawien "Dolac" Dolac na Lasvi, Export Etiketten 1953-1960

Jugoslawien "Dolac" Dolac na Lasvi, Einzel Etiketten 1945-1990/91

Jugoslawien "Dolac" Dolac na Lasvi, Serien Etiketten 1945-1990/91

Jugoslawien "Dolac" Dolac na Lasvi, Export skillets 1945-1990/91

Jugoslawien "Dolac" Dolac na Lasvi, Einzel skillets 1945-1990/91

Jugoslawien "Dolac" Dolac na Lasvi, Serien skillets 1945-1990/91

Jugoslawien "Parafinka" Rijeka, skillets 1972-1991

Jugoslawien "Parafinka" Rijeka, selbstklebende Etiketten 1972-1991

Die oben aufgeführten Zusammenstellungen basieren dabei auf Informationen und Schriften aus den 70er und 80er Jahren, die ich mit zusätzlichem Material ergänzt habe. Sie sind in der Gliederung unter Kataloge zu finden. Zu jeder Zusammenstellung gehört noch eine Excel-Liste, in der Etiketten bzw. skillets aufgelistet sind, die weiterführende Informationen und Details enthält. Diese und die Vordrucke der einzelnen Zusammenstellungen kann ich gern per pdf als mail weitergeben. Freuen würde ich mich auch über Kommentare, Anregungen und evtl. auch Tauschangebote. Schwarz-weiß Abbildungen und leere Felder stehen für Etiketten bzw. skillets, die ich leider nicht in meiner Sammlung habe. Hier erhoffe ich mir vielleicht die eine oder andere Dublette eines Sammlers oder eine Kopie, um den weißen Fleck zu füllen.