Aufgrund der politischen Gegensätze zwischen föderalistischen und zentralistischen Kräften führte König Alexander I. am 6. Januar 1929 einen Staatsstreich durch. Er suspendierte die Verfassung von 1921 und proklamierte die Königsdiktatur. Schließlich verfügte er am 3. Oktober 1929 die Umbenennung des Staates in Kraljevina Jugoslavija (Königreich Jugoslawien). Daraufhin trugen dann natürlich auch die Streichholzetiketten die neue Staatsbezeichnung „KRALJEVINA JUGOSLAVIJA“ bzw. "КРАЉЕВИНА ЈУГОСЛАВИЈА".

Viele Motive wurden beibehalten und nur die neue Staatsbezeichnung eingefügt. Von 1931 an wurden die Fabriken zur „Gesellschaft jugoslawischer Zündholzproduzenten“ (Jugoslovensko Društvo Žižica A.D. - J.D.Z.A.D. bzw. Ј.Д.Ж.А.Д.) mit Sitz in Belgrad zusammengeschlossen, darunter auch die Fabriken in Osijek, Dolac und Vrbovsko. Viele Etiketten der Zeit tragen deshalb auch die Aufschrift „Jugoslovensko Društvo Žižica A.D. - Beograd“, später auch nur noch die Abkürzungen. Die Fabriken in Ruše und Novi-Vrbas wurden im Zeitraum von 1929 bis 1931 geschlossen.

 

Zunächst sei hier das Etikett mit dem Staatswappen und der neuen Staatsbezeichnung gezeigt. Es ist quasi analog zu dem im SHS-Staat genutzten Etikett. Dass es auch zu diesen Zeiten den einen oder anderen Fehldruck gab ist normal. Hier fehlt halt mal das Blau.

Diese Aufmachung ist sicher für viele Sammler nichts Neues. Auch ich war immer der Meinung, dass es ein Produkt aus einer der jugoslawischen Fabriken wie der in Osijek, Vrbovsko oder Dolac sein müsste. Diese Annahme stützte auch die Tatsache, dass die Schachtelformate (Etiketten im ¾ Format) mehr oder weniger identisch sind. Allerdings war mir immer nicht so ganz klar, warum gerade dieses Etikett bzw. -bögen in großer Anzahl in Sammlerkreisen und auch auf ebay verfügbar war, im Gegensatz zu anderen Etiketten aus o.g. Fabriken des gleichen Zeitraums.

Kürzlich konnte ich aber von einem schwedischen Sammler Teile von Druckbögen mit diesen Etiketten erwerben und ich habe nicht schlecht gestaunt, als klar wurde, Etiketten und offensichtlich auch die Schachteln stammen aus Schweden. Die Etiketten dieser Auflage kommen aus der der „VULCAN“ Zündholzfabrik zugehörigen eigenen Druckerei „VULCANS TRYCKERI“ und sind damit in Schweden (mglw. in Tidaholm) hergestellt und wie das Datum beweist vom 6. Juli 1935. 

Auf Nachfrage bei dem Verkäufer sind die Etiketten ein Zeugnis für die Tätigkeit der STAB (Svenska Tändsticks AB) in Osteuropa, die unter Ivar Kreuger (1880-1932) ein europäisches Zündholzmonopol errichtete und sich in diversen europäischen Ländern Absatzmärkte schaffte.

Damit könnte auch ein sehr ähnliches früheres Etikett, das auf den ersten jugoslawischen Staat hindeutet (nach dem 1. Weltkrieg als „Staat der Serben, Kroaten und Slowenen“ (SHS Staat) gegründet), aus Schweden stammen? 

Die Standardetiketten sind wieder in rot und schwarzem Druck auf gelben Papier ausgeführt, jetzt mit der neuen Staatsbezeichnung und bei den Etiketten aus Osijek steht im Gegensatz zu den Ausgaben aus dem SHS-Staat "DRAVA" in Anführungsstrichen. 

Auch die "Schützen wir unser Meer" Etiketten erfuhren eine Neuauflage. Die Etiketten stammen aus den Fabriken in Osijek, Vrbovsko und Ruše, leider habe ich kein Etikett aus der Fabrik in Dolac. Unterschiedliche Auflagen und Hersteller der Etiketten kann man an der zusätzlichen Angabe der Druckerei (unten rechts oder links) erkennen.

Wie oben schon angedeutet wurde 1931 eine entsprechende Produzentenvereinigung (Jugoslovensko Društvo Žižica A.D.) gegründet. Die Standardetiketten (rot bzw. schwarz auf gelbem Papier) veränderten ihr Aussehen grundlegend. In der Mitte erscheint ein stilisiertes Staatswappen links eine Inhaltsangabe in kyrillisch (30 Hölzer bzw. 60 Hölzer) und rechts der Preis (1/2 bzw. 1 Dinar). Möglicherweise kann auch jetzt die Farbgebung der Etiketten der SHS-Zeit und schwarz/gelb bzw. rot/gelb dem Inhalt bzw. dem Preis zugeordnet werden. Beide Etiketten sind im 4/4 Format gehalten, die Spanschachteln für 60 Hölzer ca. 18 mm hoch, die für 30 dagegen nur ca. 10 mm hoch. Eine Zuordnung zu einer bestimmten Fabrik ist aber nicht mehr möglich, allerdings scheint unten rechts mit der römischen Ziffer ein Hinweis zu bestehen. Möglicherweise wurden die Schachteln in den noch verbleibenden drei Fabriken Drava-Osijek, Dolac und Vrbovsko hergestellt, nachdem wohl die Fabrik in Ruše Anfang der 30er Jahre geschlossen wurde. Offensichtlich deuten die römischen Ziffern I, II und III auf den Etiketten auf die Produzenten in Osijek, Dolac und Vrbovsko.

Auch die "Schützen wir unser Meer" Etiketten firmierten jetzt unter der Produzentenvereinigung. Zur Unterscheidung der Hersteller sind wieder unten rechts römische Ziffern zu erkennen. Ferner unterschieden sich verschiedene Auflagen wieder durch die Angabe der jeweiligen Druckereien (meist unten rechts). 

Auf die Rückseite der oben abgebildeten Schachteln, die allesamt über die Produzenten-vereinigung JDŽ A.D. in Belgrad koordiniert / vertrieben wurden, kam auch vielfach Produkt-werbung zum Einsatz. Diese wurde auf der Rückseite der Schachteln im gleichen Format wie die Etiketten der Vorderseite verklebt. Es gab auch identische Produktetiketten in lateinischer und kyrillischer Schrift, die in den Fabriken der JDŽ A.D. (Dolac, Osijek, Ruše (?) und Vrbovsko) nach  regionalen Erfordernissen verwendet wurden.  Diese Information erhielt ich von Sammlerfreund Jindřich Jelinek aus Tschechien. Vielen Dank! Er hat auch einige Informationen darüber, welche Paare (Vorderseite / Rückseite) existierten. Leider habe ich nicht eine der beschriebenen Schachteln, aber was nicht ist ...

Einen weiteren Hinweis zur Nutzung der Rückseite als Werbeträger habe ich auch noch, zumindest trifft das auf ein Etikett (höchstwahrscheinlich) aus Ruše zu, da die Inschrift slowenisch ist. Es wurde sinngemäß annonciert, dass die "Werbung auf Streichholzschachteln sicherlich die Beste ist" und auf die Zentrale in Belgrad sowie Agenturen in Zagreb, Ljubljana, Novi Sad, Split und Skoplje verwiesen. Das Etikett mit dem Aufruf besitze ich leider nicht, ich habe hier nur eine Kopie gezeigt, die ich vom viel zu früh verstorbenen Sammler Gabor Hajnal aus Serbien erhalten habe. 

Dass das mit den Werbeetiketten dann auch ein Erfolg war, geht aus den unten abgebildeten  Etiketten hervor. Es wurde für Bier, Wollstoffe und Wolle, Glühlampen, Shell-Motorenöle und Kraftstoffe sowie Schuhe geworben. Daneben gab es auch Etiketten mit Ankündigungen von Messen und Ausstellungen.

 

Ein weiteres Etikett der Zeit ist offensichtlich ebenfalls ein  Standardetikett der JDŽ A.D. Beograd, welches nur Staatswappen, Staatsbezeichnung und den Namen der Produzentenvereinigung angibt. 

Eine erste richtige, farblich hervorragend gestaltete Serie (von den Ausnahmen die die Fabrik von Adam Reisner bzw. später die DRAVA AG vor dem 1. Weltkrieg herausbrachte) wurde in den 30er Jahren (wahrscheinlich) ebenfalls von DRAVA verausgabt. Sie besteht aus 10 Motiven die das stilisierte Staatswappen und verschiedenen Trachten aus dem Königreich vorstellen. 

 Zu der Serie gehört offensichtlich noch ein Etikett, das das Motiv mit der Spinnerin (2. Reihe unten Mitte) mit Spiegelschrift zeigt, evtl. ein Andruck? Leider habe ich diese Kopie nur in geringer Auflösung, so dass ich keine größere Abbildung zur Verfügung stellen kann. Dieser Andruck und die mit einem roten Stern (*) versehenen Etiketten fehlen mir noch.

Bemerkenswert ist auch, dass in dieser Zeit auch Exportanstrengungen unternommen wurden. Offensichtlich gingen die unten abgebildeten „Safety Matches“ nach China, obwohl nur die Produktions-herkunft mit „Made in Europe“ angegeben ist, verrät das „J“ aber Jugoslawien als Produktionsland (ähnlich der Bezeichnung „T" auf CSR-Exporten  „Made in Europe" der 30er Jahre nach China und Südostasien), höchstwahrscheinlich hergestellt von „DRAVA“ als größter Fabrik im Lande. Ob es weitere Etiketten gibt, evtl. auch zum Paketetikett links Normaletiketten oder zu dem Etikett mit den Pferden an der Tränke rechts ein Paketetikett ist mir nicht bekannt.

Offensichtlich ein Import und nicht im Königreich hergestellter Buchzünder ist unten abgebildet. Möglicherweise deuten die drei Sterne (Tre Stjärnor) auf schwedischen Ursprung. Unklar ist für mich auch, ob eventuell jugoslawische Fabriken zum Imperium des Zündholzkönigs Ivar Kreuger (STAB) gehörten? Der Buchzünder befindet sich, wie einige oben abgebildete Etiketten ebenfalls in der Sammlung von Vladimir Kvasnicka aus Brno.

Die mit dem roten Stern (*) versehenen Abbildungen markieren Etiketten, die sich nicht in meiner Sammlung befinden.